Buchauszug

Ein kurzer Abriß zur Geschichte Geschwendas - erste urkundliche Erwähnung 1302

(aus dem "Geschwendaer Lesebuch" - geschrieben anlässlich der 700 Jahrfeier des Ortes - 2002)

Die "mulomedizina" von Vegetius war ein Tierheilkundebuch, in dem um 380 u.Z. erstmals die "Thoringi" erwähnt werden. Um 451 u.Z. werden die Thüringer im Zusammenhang mit der vernichtenden Niederlage der Hunnen auf den Katalaunischen Feldern als tapfere Krieger beschrieben. Sicher waren es die Kämpfer aus der Streitmacht des Thüringer Königs Bessinus.
Das einst so große Thüringische Königreich unter König Herminafried mit seiner Gemahlin Amalaberga war bereits im Jahre 531 von den Franken und Sachsen in der Schlacht bei Burgscheidungen an der Unstrut zerschlagen worden.
Von dieser Zeit an war Thüringen ein Spielball in den Händen von Herzögen, Fürsten, Grafen und anderen "Edlen", deren Geschichte eine Geschichte von Kriegen war.

Als es Ludwig den Bärtigen von Württemberg nach Thüringen verschlug und er Schloss und Kloster Reinhardsbrunn baute, begann die segensreiche Zeit der Ludowinger.
Ludwig II. baute die Wartburg.
Hermann I. war der Kunstbesessene der Dynastie und begründete den Sängerkrieg auf der Wartburg.
Schließlich war Ludwig IV., der in jungen Jahren auf einem Kreuzzug starb, durch seine Ehefrau, die heilige Elisabeth, berühmt geworden.
Ein Halbbruder Ludwigs IV. war Heinrich Raspe. Er herrschte bis 1247. Da er kinderlos war, erlosch mit seinem Tode das Geschlecht der Ludowinger.
In den folgenden, fast 50 Jahren regierungsloser Zeit, wurde unser Land durch Erbfolgekriege immer mehr geschwächt. Die Tochter der heiligen Elisabeth, Sophie von Brabant, versuchte in aussichtslosen Feldzügen die Herrschaft über Hessen und Thüringen zu erringen und unterlag letztlich dem neu erblühenden Hause Wettin.

In dieser schlimmen Zeit für Thüringen mussten viele Menschen unter dem erstarkenden Raubrittertum leiden. Alte ritterliche Tugenden waren längst vergessen. Mord und Raub waren an der Tagesordnung. So war es auch hier auf der Alteburg und in der Umgebung.
Der Burggraf und seine hübsche Tochter Katharina Anna wurden vertrieben. Die Bauern aus dem Neudorf, der ersten Geschwendaer Ansiedlung, wurden bis zum Letzten ausgepresst. Sie mussten über Frondienste und Abgaben die ausschweifenden Gelage der neuen Herren auf der Burg bedienen. In diesem Sinne war der später aufgekommene Name "Raubschloss" berechtigt, denn jede Handelskarawane, die von Erfurt kommend, in Richtung Mainz oder Nürnberg weiter ziehen wollte, wurde unten im Tal überfallen und ausgeraubt.
Das alles geschah, bevor Geschwenda erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Hersfeld genannt wurde.

Der Topf geht bekanntlich so lange zum Brunnen, bis er bricht, sagt man. So war es zu erwarten, dass das Raubrittertum irgendwann ein Ende finden musste.
Im Jahre 1290 ließ Kaiser Rudolf von Habsburg 66 Raubritterburgen schleifen. 300 Raubritter wurden nach Erfurt geführt und dort enthauptet. Von nun an herrschte auf dem Alteburgsberg wieder Frieden, wenn es auch ein Friedhofsfrieden war. Riesige Steinquader und Mauerreste waren in den tief unten gelegenen Schwarzbach gestürzt und das Neudorf, das einstige Zwischenlager zur Versorgung der Burg, wurde eine Wüstung.
Es gibt keine genauen Zeitangaben für die ersten Siedler des späteren Bergdorfes Geschwenda.
Wenn der Graf Günther von Käfernburg der Ältere am 17. Januar 1302 unser "Gyswende" an den Abt des Klosters Hersfeld verschenkte, um es als Lehen zurückzuerhalten, musste schon etwas Schenkenswertes vorhanden gewesen sein.

Es ist also sicher, dass Geschwenda älter als 700 Jahre ist. Wie viele Generationen vor 1302 sich schon abgeplagt hatten, um verschenkt werden zu können, liegt im Bereich der Spekulation.
Wahrscheinlich waren die ersten Siedler in Geschwenda slawische Kriegsgefangene und Mönche. Um 800 u.Z. wanderten in Ostdeutschland Slawen ein, die auch Wenden, auch Sorben genannt wurden.
Im "Bleisch" ist zu lesen, dass wendische Kriegsgefangene von den siegreichen germanischen Edelleuten angesiedelt wurden, was die vielen Ortsnamen mit der Silbe "wend" oder "wind" bestätigen.
Von woher sich die ersten Siedler durch den Thüringer Wald durchgeschlagen haben, ist nicht bekannt. Man könnte annehmen, dass die erste Ansiedlung auf dem Rasen stattfand, denn dort gab es genügend Wasser. Die Straßenbezeichnungen "Obere Schloßgasse" und "Untere Schloßgasse" dürften ein Hinweis darauf sein, dass es dort schon sehr zeitig eine herrschaftliche Besitznahme gab.
Wie wurden die ersten Siedler sesshaft? Die erste Arbeit war wohl der Bau der Unterkünfte für Mensch und Tier. Man befand sich in einer "Ur-Waldregion", umgeben von wilden Tieren.
Dann erfolgte das Abbrennen des Waldes ("schwenden"), die Rodung der Baumwurzeln und die Aussaat des mitgebrachten Saatgutes. Möglicherweise wurden nach einer Zeit von wenigen Jahren gemeinsamer Arbeit die Ackerflächen an die einzelnen Familien oder Sippen verlost. Damit war sicherlich nicht der Erwerb von Eigentum verbunden, aber eine neue Form der Verantwortlichkeit für das zu bearbeitende Land. Späteres Raubrittertum und das "Bauernlegen" zur Gutsherrenzeit machte aus den immer schon abhängigen Bauern gequälte Kreaturen.

Mit Sicherheit können wir heute sagen, dass die überschaubare 700-jährige Geschwendaer Geschichte zumindest in der Zeit von 1302 bis 1829 durch verschiedene Adelsfamilien bestimmt wurde.

Mit dem Grafen Günther von Käfernburg dem Älteren fing es an, mit denen von Plassenberg, von Lichtenberg, wieder von Plassenberg und von Röder ging es weiter, und endete 1829 mit dem Freiherrn von Bellmont.
Nach ihren Herrschaftszeiten gab es nach 1829 keine Lehnsherren mehr. Das Gut fiel an seinen Besitzer, das Fürstenhaus Schwarzburg-Sondershausen zurück.
Bis 1848 lag die Verwaltung des Geschwendaer Gutes direkt in den Händen des Fürstenhauses von Schwarzburg-Sondershausen. Im genannten Jahr 1848 erkaufte Geschwenda durch geschicktes Verhandeln des Bürgermeisters Eduard Grosse die Selbständigkeit gegenüber dem Fürstenhaus.
Mehr als 46 Jahre, ohne Unterbrechung, war Große Gemeindevorsteher in Geschwenda. Aber nicht nur die vielen Amtsjahre waren sein Markenzeichen. Er erwirkte durch geschicktes, zähes Verhandeln mit der schwarzburg-sondershäusischen Regierung die Selbständigkeit des Geschwendaer Gutes.
Nach dem Willen des Fürsten hätte es eine Staatsdomäne werden sollen.
22.000 Taler soll das gesamte Gut damals wert gewesen sein. Große erhandelte einen Preis von 7.000 Talern für die Fürstliche Kammer zu Sondershausen und 7.500 Talern für die Bellmontschen Erben bzw. Gläubiger. 15.000 Taler borgte die Gemeinde Geschwenda für diesen Kauf.
Für 166 Geschwendaer begann ein neues Leben. Sie waren jetzt gegen ein geringes Entgelt in die Gemeindekasse Pächter eines Gutsteiles. Unser Ort vergrößerte sich, denn ein Stück Landbesitz band an die heimatliche Scholle. In den späteren Jahren bekamen Ehepaare ihr Gutsteil erst nach der silbernen Hochzeit.

Ein Gutsteil hatte die Größe von etwa 10 a Ackerland und 10 a Wiese. Das so genannte Schloss, das Rödersche Gutshaus, wurde z.T. Schulgebäude. Später beherbergte es auch den Kindergarten. Die übrigen Räume wurden zu Wohnungen umgebaut. Diejenigen Geschwendaer, die ehemalige Bellmontsche Wohnung bezogen, wurden im Dorf die "Bellmonts" genannt. Die Stallungen und Scheunen wurden abgerissen. An ihrer Stelle kamen Wohnhäuser, angesiedelt auf dem "Gutshof". Diese Benennung gibt es heute noch: "Gutshof-Apotheke" und "Frisöre am Gutshof".

Das Buch können Sie in der Heimatstube erwerben. E-Mail: fremdenverkehr[at]geschwenda.de

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