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Kirche

Auszug der Ortschronik
§22, §23, §24, §25, §26-28, §29  

Im Ortszentrum von Geschwenda dominiert die große im Stil des späten
Barock von 1741 bis 1747 erbaute Nikolaikirche.

Bild: Kirche innen
Kirche innen

§23

Der Kirchenbau selbst ist anno 1741 wirklich angefangen und bis 1748 fortgesetzt worden.

Die ungewöhnliche Verzögerung desselben beruhet auf verschiedenen Umständen. Denn es hat der Geh.Kammerrath von Herzberg in Gotha als Röders Schwager die Oberdirektion geführet, mit welchem der hiesige Justitiarius, damaligen Kommissionsrath Wenzing in Amstadt alles abhandeln müssen. So ist auch der Plan dieser gewesen, daß der alte vortreffliche Turm stehen bleiben und die Kirche hinter denselben nach dem Walde zu angebauet werden sollen, wie denn auch der Grund schon 10 Schuh hoch zum Begräbnis im Erdboden aufgeführet gewesen und wieder ausgebrochen werden müssen, weil Röder von dem hinterwärts angrenzenden Klaren Erbe nichts hergeben wollen zur Erweiterung des Kirchhofes nach diesem ersten Plane, über welchen in der Gerichtsrepositur noch das förmliche Protokoll vorhanden. Man hat hierauf einen zweiten, aber sehr unglücklichen Plan gemacht. Die Kirche hat ungefähr auf die alte Stelle müssen erbauet, der gute alte Turm abgebrochen und ein neuer vor die Kirche erbauet werden. Ehe er aber noch die Kuppe bekommen, ist er wieder eingestürzet und hat die alte Schule völlig zusammengeschlagen. Wie man sich an dem Gothaischen Maurermeister Jahn des Schadens erholen wollen, davon sind die weitläufigen Akta noch bei der Kirchenrepositur nachzusehen.

§25

Der neue Schulbau ist 1750 vorgenommen worden. Und da der erste Raum gar zu klein gewesen, habe ich, der Pfarrer, ein Stück Garten dazu hergegeben, so groß als jetzo die vordere obere Ecke der Schule die Linie auf die hintere Ecke vom Pfarrholz-Schopfen weiset. Vor solches habe ich von der Gemeinde ein Stück Wiese im Ehrich unterm Pfarrteiche bekommen, wie das bei den Pfarrakten befindliche Übergabe-Instrument des 'mehreren ausweiset. Wie denn meine Antecessor unter dem besagten Teiche schon ein Stück Wiese vor eine winklige Ecke des Pfarrgartens hinter dem ovalen alten Friedhof bekommen, aber kein Instrument darüber sich ausstellen lassen, welches ich bei meinem Tausch nachgeholet habe. (Anmerkung;: vom Damm des Teiches gerechnet ist die Wiese 2o Ruthen 6 Schuh groß.)

§ 26, § 27 und § 28 beschreiben Kirchengüter

Am 27.8.1848 - also 100 Jahre nach Bauende -

nahm der Schieferdecker August Jacobi aus Sondershausen den Knopf und die Fahne von dem hiesigen Kirchturme, um beides zu vergolden. Denn obgleich im Jahre 1802 eine Vergoldung dieser Stücke geschehen war.so war doch durch die Länge der Zeit der Goldglanz daran verwittert.
Der Landrichter und Ortsschultheiß Eduard Große veranlaßte die Gemeindeglieder zu freiwilligen Beiträgen und es wurden von den Familienvätern, den ledigen Burschen und Mädchen mittels Einsammlung gegen 16 Taler gespendet. Am Tage Dominica 12.post Trinitatis - also den 10.September 1848 - wird nach beendigtem
Nachmittagsgottesdienst mit einer am Altar gehaltenen freien Rede und Gebet des Pastors Franke der Turm-Knopf und die Fahne wieder aufgesetzt.

Zur Nachricht 1882 - Nachdem schon lange Zeit am hiesigen Gotteshause nichts geschehen war, konnte man die immer dringender werdenden Reparaturen nicht länger verschieben und so wurde denn in Gottes Namen

  1. trotz der bereits sehr winterlichen Jahreszeit die Umdeckung des Kirchendaches auch dessen südlicher Seite durch einen Sohn hiesiger Gemeinde für 600 Mark ausgeführt und bei dieser Gelegenheit auch der Turmkopf abgenommen und frisch vergoldet wieder aufgesetzt.
  2. wurde am heutigen Tage gleichzeitig die fast ganz erneuerte Orgel feierlich eingeweiht.

Zur Erinnerung an diesen Tag haben die Burschen und Mädchen der hiesigen Gemeinde unter sich eine Kollekte veranstaltet, aus deren Erlös 25 MK, 2 Stühle, 2 Wachskerzen und ein Teppich in die Kirche gestiftet wurden. 1979 wird der gesamte Turm der Nikolaikirche rekonstruiert. Dazu wird auch der Turmkopf heruntergenommen und die darin enthaltenen Zeitdokumente, Münzen usw. aus den Jahren 1882 und 1904 ( frühere Turmkopf-Öffnungen) in einer Ausstellung im Pfarrhaus den Bürgern von Geschwenda gezeigt. Am 28.September 1979 wird die goldene Kugel mit neuen Zeitdokumenten gefüllt und dem Turm wieder aufgesetzt.

Der Turmkopf-Inhalt wurde für die Kirchen- und Orts-Chronik fotokopiert. Das Innere der Kirche wurde 1985 renoviert und durch einen neuen Kronleuchter und flämische Wandarme vervollständigt.

1993 folgte die Restaurierung der 1744 erbauten Gutjahr-Orgel mit 24 Registern. An den Kosten dafür beteiligte sich auch großzügig die Gemeinde Geschwenda. In einem Gottesdienst anläßlich des Abschlusses der Bauarbeiten sagte Oberkirchenrat Dr. Walter Saft: ......daß die Kirche nun wieder ein Gesicht hat und in ihrer stillen Weise Zeugnis davon gibt, daß der Herr noch da ist in der Gemeinde ....